… das Handy des Herzensösterreichers scheppert. Ein Kollege ist dran und hat eine Fachfrage, die genau jetzt beantwortet werden muss. Zu blöd, denke ich. Es ist Mittagszeit und gerade versucht der Herzensmann, den Kronsohn hinzulegen. Eigentlich ist das kein Problem, wenn man nicht gestört wird. Ich muss stören, denn ich kenne die Antwort auf die Fachfrage nicht. Das bringt unseren Sohn, der gerade am Einschlafen war, völlig aus der Fassung. Es reicht nicht, dass der Papa ihn hinlegt. Nein, ich soll das jetzt machen. Eigentlich wollte ich die Gelegenheit nutzen und mal ein bisschen „klar Schiff machen“ bei uns. Fritzi hat andere Pläne…
Ich lege mich dazu und versuche, den Knopf zu beruhigen. Das passt ihm überhaupt nicht und doch ruft er: „Mama! Mama! Mama!“ Der Herzensösterreicher nutzt die Gelegenheit und geht kurz raus aus dem Schlafzimmer. Großer Fehler. Fritzi möchte doch lieber, dass wir beide dableiben. Der Papa muss zurück kommen. Doch Fritzi will nicht in der Mitte liegen. Er rollt sich über mein Gesicht zu mir an die Seite. Dort passt es ihm erst mal für einige Sekunden. Er erwischt meine Haare und wutzelt sie sich in aller Ruhe um seine Fingerchen. Um sich wieder von ihnen zu befreien, fängt er an zu ziehen. Mir schießen die Tränen in die Augen und ich versuche so viele Haare wie möglich zu retten. Eine kleine Strähne muss ich opfern. Fritzi setzt sich auf. Ich versuche mich schlafend zu stellen. Bloß nicht munter wirken, so dass er glaubt, ich spiele jetzt mit ihm. Mit geschlossenenen Augen sehe ich natürlich nicht, was kommt. Seine Fingerchen entdecken meine Wimpern. Er bürstet sie rauf und runter. Ich schiebe sein Händchen weg. Schwups, die Fingerchen von seiner anderen Hand übernehmen jetzt. „Wir müssen jetzt wirklich heiern.“, flüstere ich Fritzi ernst zu. Der Herzenösterreicher atmet schon ganz schwer. Er ist schon fast im Schlummerland. Fritzi noch lange nicht. Er lässt sich aber neben mich fallen.
Ich schließe wieder die Augen. Ein kleiner großer Kinderzeh bahnt sich seinen Weg über meinen Mund Richtung meines Nasenlochs. Fritzi kichert. Ich schiebe den Fuß weg. Der andere Fuß folgt sogleich und erwischt tatsächlich meine Nase. „Fritzi!“, sage ich ernst. Er lacht und setzt sich wieder auf. Auch der Herzensösterreicher ist wieder munter. „Der wutzelt was zusammen!“, beschwert er sich. „Ja, aber auf mir!“, sage ich verständnislos. Fritzi will jetzt doch wieder in die Mitte. Er krabbelt über meinen Kopf um es sich auf halber Strecke anders zu überlegen. Offenbar sitzt es sich auf meinem Kopf prima. Er bleibt dort erst einmal und betrachtet seinen Vater und mich von oben herab. „Wir müssen uns nur schlafend stellen, dann wird er irgendwann aufgeben.“, beschwichtige ich den Herzensösterreicher. Ich habe das mal in einem der unzähligen Elternforen gelesen.
Das „Irgendwann aufgeben“ dauert bei uns heute länger. Fritzi sitzt immer noch auf meinem Kopf. Jetzt kommen wieder die Finger. Er versucht meinen Augapfel zu greifen. Zwar vorsichtig, aber mit einer beharrlichen Ausdauer, dass ich meinen Kopf unter seinem Windelhintern dann doch wieder frei kämpfe. Mein nächstes Büschel Haar muss daran glauben. Fritzi plumpst in unsere Mitte und verpasst mir mit seinem Ellenbogen einen Kinnhaken. „Der wutzelt aber was zusammen!“, stöhnt der Herzenösterreicher aus seinem Halbschlaf.
Fritzi bleibt tatsächlich ruhig liegen und betrachtet seinen Vater genau. Und nun scheint auch bei mir die Müdigkeit zu gewinnen. Plötzlich. „Tatutatata. Die Feuerwehr.“, ruft Fritzi. Der Herzensösterreicher und ich reagieren nicht. „Tatutata. Die Feuerwehr!“, wird er lauter. Dem Herzensösterreicher entfährt ein leises Schnarchen. „TATUTATA! TATUTATA!“ Ich reiße die Augen auf. „Ja, tatutata. Jetzt wird geschlafen!“, schnauze ich unseren Sohn heftiger an als ich eigentlich wollte. Fritzi nimmt es mir nicht krumm. Und er ist endlich wieder leise. Er dreht sich zu mir und greift wieder meine Haare. Ich reagiere rechtzeitig und halte sie am Ansatz fest. Wie beim „Tau ziehen“ kämpfen wir um meine Haarpracht. Dem Knopf wird das zu blöd. Er vollzieht im Bett eine 360 Grad-Drehung und verpasst dem Herzenösterreicher einen tritt in den Bauch. „MA, der wutzelt was zusammen!“, mault er. „Er wird bestimmt gleich schlafen, flüstere ich. Der Kronsohn dreht sich noch einmal 180 Grad. Während er den Kopf an die Brust des Herzensösterreicher schmiegt, bohren sich seine Zehchen in meinen Hals. Fritzi atmet zufrieden und schläft. Der Schmerz an meinem Hals ist aushaltbar denke ich noch und entschwinde ebenfalls ins Traumland.







