„Ich habe jetzt mal die Waschmaschine programmiert. Wenn alles gut geht, dann müsste sie genau mit der neuen Wäsche starten, wenn der Trockner fertig ist.“, erkläre ich fröhlich dem Herzensösterreicher. Der sieht mich einen Moment verständnislos an. „Deshalb bist du so aufgeregt?“, hakt er ungläubig nach und schiebt gleich hinterher „Ich bin stolz, wie schön ich den Rasen gemäht habe.“ Mir wird klar, wir sind endgültig in Spießerhausen angekommen. Früher habe ich mit Freunden in Berlin die Nächte zum Tag gemacht und mit Wegbier bzw. Wegesektchen unser achso hippes Hauptstadt-Leben gefeiert. Heute freue ich mich über neue Discountwerbung zu Aktionsware, und dass die Waschmaschine so gut mit dem Trockner harmoniert. Ein Bier tagsüber lässt sich nur noch in Kombination mit Gartenarbeit rechtfertigen. Arbeit im Garten haben wir momentan besonders viel, allerdings ist das nicht ganz ungefährlich, was den Wortschatz unseres Sohnes betrifft. Fritzi hat bereits mit 10 Monaten mit dem Sprechen begonnen, was uns natürlich stolz macht und mir bestätigt, dass wir den besten und klügsten Fritzi auf der Welt haben. Ganz mütterlich objektiv betrachtet. Doch tatsächlich gibt es auch einen winzigen Wermutstropfen dabei. Wir müssen immer mehr aufpassen, was wir sagen. Ich gebe zu, ich bin schneller im Fluchen als der Herzensösterreicher. Das Schimpfwort-5-Euro-Schwein haben wir bloß noch nicht aufgestellt, da ich vermutlich schon nach wenigen Tagen pleite wäre. Wieso ist nun Gartenarbeit so gefährlich? Es steht der „Rosenschnitt“ an. Jeder weiß, dass Rosen verdammt piksen können. Einen Rosenbusch zu schneiden ist wirklich fies. Der Schnitt eines Rosenbusches im „Ran“, was aus dem Kärntnerischen übersetzt „Hang“ heißt, ist die Hölle. Während ich also nun im Busch hin und her schnibble, belege ich den Herzensösterreicher mit Flüchen, weil er die Rosen einst anpflanzen ließ. Ich verfluche meine Gartenhandschuhe mit dem Rosensymbol, weil sie nicht gegen die Pikserei dergleichen Pflanzen schützen und ich verfluche meine Kondition. Denn irgendwann beim Balancieren im Ran geben plötzlich meine Beine nach und ich lande mit meinem Hintern komplett im Busch. Kurzer Einschub an dieser Stelle: Eine laute Funktionshose bietet keinen Schutz gegen Rosendornen. Währenddessen schaukelt der Herzensösterreicher den Kronsohn und belehrt mich stoisch gelassen, meine Worte weise zu wählen, denn unser Kind hört und redet mit. Innerlich schicke ich auch zu dieser Bemerkung einen Fluch, entscheide mich aber von nun an, nur noch Laute des Schmerzes von mir zu geben. So schallt es nun „Auuuuuuuuu!!!“ und „Aiiiiiiiiiii!!!“ und „Uuuuuuuhhhh!!!“ durch unsere Siedlung. Unser Sohn blickt von seiner Schaukel zu mir im Busch und entgegegnet nur „Miau!“ und das immer wieder. Offenbar glaubt er, ich spiele eine Katze. Der Herzensösterreicher findet es entzückend, ich fühle mich missverstanden. Aber zumindest geht Wortschatz -mäßig meine Rosenschnitt-Aktion recht glimpflich aus. Anders vor einigen Wochen. Zu der Zeit ist es noch recht winterlich in Kärnten und wir entschließen uns, eine kleine Wanderung auf die Millstätter Alm zu machen. Wir stopfen Fritzi in die Kraxe, die mein Mann trägt. Ich habe den Fressbeutel auf dem Rücken, der so bestückt ist, dass wir eine Woche in der Wildnis überleben könnten. Man muss ja auf alles vorbereitet sein. So stapfen wir kilometerlang bergauf. Fritzi quietscht vergnügt auf dem Rücken des Herzensösterreichers. Der wiederum feuert mich nach bester Motiviationsseminar-Manier an und erklärt stundenlang, dass es bis zur Almhütte nicht mehr weit sei. Ich pumpe wie ein Maikäfer und kann nur noch innerlich über die viel zu schwere Thermoskanne fluchen, die ich auch noch mitschleppe. Reden kann ich schon längst nicht mehr. Fritzi und der Herzensösterreicher stürmen im Stechschritt vorne weg. Ich komme kaum hinterher. Deshalb müssen die beiden auch an jeder Kehre auf mich warten. Ab gefühlt Kehre 20 platzt es aus meinem Mann heraus: „Fritzi, die Mama! Immer müssen wir warten auf die Weiber!“ Und was macht der Kronsohn? Der ruft begeistert: „WEIBER!“. Glückwunsch, denke ich, unser Sohn kann ein neues Wort. Und Fritzi muss es gleich üben. Die nächsten Kilometer lauschen wir nicht mehr unseren Schritten im Schnee, sondern unserem Knopf, wie er „Weiber! Weiber! Weiber!“ ruft. Glücklicherweise sind noch keine anderen Menschen in unserer Nähe und der Weg zur Hütte ist noch weit. Irgendwann muss Fritzi das Wort doch langweilen, denke ich. Tatsächlich hört er auch nach 20 Minuten auf und schläft allmählich ein. Nach weiteren 20 Kehren und einer überstandenen Ehekrise erreichen wir tatsächlich die Almhütte. Gemütlich sitzen, essen und trinken – darauf freuen wir uns alle drei. Wir treten ein und Fritzi erwacht und ruft als erstes in die Runde: „Weiber!“. Die Gäste blicken überrascht auf. Ich stehe bereit, Glückwünsche für unser sprachgewandtes Kind entgegen zu nehmen, aber es kommt nur die Bedienung und will unsere Bestellung.
