Es gibt Fragen, die vermutlich alle frisch gebackenen Eltern hassen: Schläft es schon durch? Wie, es schläft immer noch bei euch und nicht im eigenen Zimmer? Im ersten Lebensjahr unseres Knopfes verursachten diese Fragen bei mir regelmäßig innerliche Wutausbrüche, die ich in meinem Hormonrausch kaum unter Kontrolle halten konnte. Jetzt, wo unser Kind schon fast 19 Monate ist, reagiere ich etwas gelassener. Unser Fritzi ist einer von der kuscheligen Sorte, besonders abends. Er schläft erst seit kurzem durch – meistens. Und ich habe es noch immer nicht über das Herz gebracht, ihn aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Hier ist dann wohl der Herzensösterreicher gefordert, die nötige Härte aufzubringen und unseren Fritzi auszuquartieren. Das Schlafthema ist also grundsätzlich ein sensibles und ich gebe zu, dass ich vor unserem Kind auch geglaubt habe, dass es wohl ein Leichtes würde, ein Kind zum Schlafen zu bringen. Es braucht doch nur Härte und Konsequenz! Pustekuchen! Unser Sohn belehrte und belehrt mich täglich eines besseren. Ihn hinzulegen und dann einfach aus dem Zimmer zu gehen, funktioniert bei uns nicht. Fritzi braucht ein Einschlafprogramm, das sich auch mal eine Stunde ziehen kann. Ich läute den Einschlafmarathon mit ein paar Schlafliedern ein, die unser Kind stumm zur Kenntnis nimmt. Übernimmt der Herzensösterreicher das Gute-Nacht-Prozedere, dann beglückt er unser Kind mit Kärntner Liedern. Sein Repertoire ist riesig, wird aber mit vorgerrückter Zeit zunehmend schlüpfrig. Mein Vater, nicht so sehr im Kärntnerischen versiert, wunderte sich bei seinem jüngsten Besuch dann doch, wieso das Kärntner Lied „Im Löllinger Graben“ bei der Strophe mit dem blutjungen Bua, der bei einer „alten Treapm“ liegt, Fritzi besonders begeisterte. Über das Babyphon lässt sich das gut nachvollziehen. Unser Sohn bevorzugt musikalisch dann doch die Singerei meines Mannes, was er nach jedem Lied mit „Bravo-Rufen“ quittiert. Bei mir schweigt er. Ein bisschen kränkt mich das schon. Eine Zweitkarriere als Kinderlieder-Sängerin brauche ich dann wohl nicht weiter verfolgen. Ich lege ihn trotzdem gern nieder. Allerdings befürchte ich, dass ich bald kahlköpfig sein werde, wenn er auch noch in einem Jahr so lange zum Einschlafen braucht. Denn nach meiner Singerei muss er auch noch an meinen Haaren spielen und ziehen. Irgendwann, wenn die Zugkraft nachlässt, weiß ich, jetzt kann ich mich leise hinaus schleichen. Blöd nur, wenn man eine laute Hose an hat. „Was ist eine laute Hose?“ will der Herzensösterreicher wissen, während ich in die Tasten haue. Es mag am Tag nicht besonders auffallen, aber Funktionshosen oder Sporthosen rascheln irre laut bei jeder Bewegung – vor allem, wenn man versucht, besonders leise zu sein. Ich habe zwei Strategien ausprobiert, mich mit Raschelhose herauszuschleichen. Strategie 1: Schritt – Raschel – Warten – Lauschen, ob Fritz noch schläft – Schritt – Raschel – Warten … und so weiter. Dauert halt lange und kurz vor der Tür wacht er dann doch auf. Strategie 2: Schnell hinauslaufen und dadurch die Raschelzeit so kurz wie möglich halten. Hierbei sollte nur beachtet werden, dass man rechtzeitig vor der Schlafzimmertür stoppt um sie zu öffnen. Ich habe es noch nicht geschafft. Ein Tritt mit dem Fuss gegen die Tür, kombiniert mit einem halb unterdrückten Fluch von mir, weckt den kleinen Knopf auch auf. Ich bin deshalb dafür, dass auf dem Etikett mit den Pflegehinweisen dieser Hosen auch eine Warnung stehen sollte: „Bitte nicht tragen, wenn Sie ihr Kind schlafen legen.“ Jetzt stehen doch bald Wahlen zum Europaparlament an. Da ja alles gern von der EU totreguliert wird, kommt es auf diese eine zusätzliche Vorschrift dann auch nicht mehr an. Ich denke, ich werde den Spitzenkandidaten mal meinen Vorschlag schreiben.
